Kündigung einer Krankenversicherung - Was ist zu beachten?

Die Kündigung einer Krankenversicherung (KV) ist seit 2009 wegen des neu gefassten § 205 VVG einfacher und sicherer geworden. Sie wird erst wirksam, wenn bis zum Beendigungszeitpunkt des noch bestehenden Versicherungsverhältnisses eine nachfolgende neue Krankenversicherung nachgewiesen wird.​

Welche Fristen und Formalien sind bei einem Wechsel Ihrer Krankenversicherung wichtig?

Die Kündigung einer Krankenversicherung ist seit 2009 wegen des neu gefassten § 205 VVG einfacher und sicherer geworden. Sie wird erst wirksam, wenn bis zum Zeitpunkt der Beendigung des noch bestehenden Versicherungsverhältnisses eine nachfolgende neue Krankenversicherung nachgewiesen wird.Personen in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können Ihre Versicherung daher gefahrlos kündigen und wechseln. Darunter zählt auch auch ein rein vorsorglicher Wechsel zur Fristwahrung, um sich die Entscheidung zum späteren Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) offen zu halten.

Dies gilt grundsätzlich auch für versicherte Personen in einer privaten Krankenversicherung. Um Risiken bei der Kündigung einer bestehenden PKV zu vermeiden (§ 205 VVG gilt strenggenommen nur im Bereich der Pflichtversicherungselemente gem. § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG), sollten Sie am besten schon vor Kündigung einer PKV eine Annahme bei Ihrer neuen PKV vorweisen können. In der Regel stellt die neue Krankenversicherung bei Annahme direkt oder auf Wunsch eine Bescheinigung zur Vorlage bei der Vorversicherung aus.

Wir stellen die Bedingungen für die Kündigung einer Krankenversicherung hier nur vereinfacht dar. Lassen Sie sich daher von uns professionell beraten, ob ein Wechsel für Sie überhaupt Sinn macht. Wenn Ihre aktuelle Krankenversicherung zu Ihren Anforderungen und Ihrer Lebenssituation passt, dann werden wir Ihnen von einem Wechsel auch definitiv abraten. Wenn es für Ihre individuelle Situation jedoch eine bessere Lösung gibt, dann helfen wir Ihnen selbstverständlich gerne, das für Sie dauerhaft beste Ergebnis zu finden.  Ein Wechsel ist in der Regel stets mit einer Gesundheitsprüfung verbunden, die unter anderem bei Vorerkrankungen auch länger dauern kann.

Je nach individueller Fallgestaltung sind unterschiedliche Fristen und Voraussetzungen für die Kündigung einer bestehenden Krankenversicherung zu beachten. Daher haben wir Ihnen hier einmal die verschiedenen Dinge, die bei einem Wechsel wichtig sind, vereinfacht dargestellt.

Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte – Die ordentliche Kündigung

Für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte wie zum Beispiel Selbstständige oder Angestellte mit Verdienst über Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) beträgt die reguläre oder ordentliche Kündigungsfrist gemäß § 175 Abs. 4 SGB V zwei Monate zum Ende des übernächsten Monats.

 

Kündigung der Krankenversicherung für Pflichtversicherte bei einem “Statuswechsel”

Bei einem sog. Statuswechsel oder anders genannt dem Ende der Versicherungspflicht wie beispielsweise bei erstmaligem Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) oder einer Verbeamtung sind für die Kündigung einer Krankenversicherung zwei Fristen zu beachten:

  1. Die rückwirkende Beendigung einer bestehenden Pflichtversicherung in der GKV oder die Erklärung Ihres Austritts aus der gesetzlichen Krankenversicherung ist (gemäß § 188 Abs. 4 SGB V) 2 Wochen nach Zugang der Mitteilung der GKV über die Austrittsmöglichkeit rückwirkend zum Entfall der Versicherungspflicht möglich (zum Beispiel zum Tag Ihrer Verbeamtung). Manchmal erhalten Sie dieses Schreiben erst relativ spät, beispielsweise Ende Februar bei Überschreiten der JAEG zum 1. Januar. Dann wird Frist Nummer 2 für Sierelevant:

  2. Der rückwirkende Neuabschluss einer privaten Krankenversicherung ist bei den meistens Gesellschaften nur innerhalb von zwei Monaten rückwirkend möglich.

Wichtige Information: Erfolgt der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenkasse in die PKV rückwirkend, werden zwischenzeitlich bezahlte GKV Beiträge zwar rückerstattet. Eine neue PKV erbringt Leistungen jedoch in der Regel erst ab dem Tag der Policierung und nicht rückwirkend! Sollten Sie zwischenzeitlich schon Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen haben, wären Rückforderungsansprüche der GKV möglich. Außerdem kann sich Ihr Gesundheitszustand als Voraussetzung für die Aufnahme in die PKV jederzeit ändern.

Tipp: Beantragen Sie eine neue private Krankenversicherung deshalb unverzüglich sobald die Wechselmöglichkeit feststeht! Dies ist in aller Regel bis zu 6 Monate vor dem Wechseltermin möglich! Für die Zeit bis zum Start der PKV fallen keine Gebühren an. Sollten sich nachträglich Verzögerungen oder Änderungen ergeben, können Sie den Beginn der PKV immer noch unkompliziert verlegen oder diese zunächst in einen sogenannten Anwartschaftstarif umstellen. Mit einer sog. “Vorschaltanwartschaft” ab dem 01.12. können Sie sich außerdem gegebenenfalls noch das günstigere Eintrittsalter des Vorjahres sichern und zahlen so dauerhaft einen je nach Gesellschaft etwa 20€ bis 30€ geringeren Monatsbeitrag für Ihre Krankenversicherung.

Eventuell Kündigungsfrist versäumt? Dann wechseln Sie etwas später per Kündigung Ihrer Krankenversicherung unter Beachtung der oben genannten ordentlichen Kündigungsfrist (zum Ende des übernächsten Monats) in die gewünschte PKV. Die frühere “Dreijahresregelung” ist seit 2011 abgeschafft!

Außerordentliches Kündigungsrecht bei Beitragserhöhungen

 

Bei einer Beitragserhöhung können Sie Ihr bestehendes Versicherungsverhältnis (gem. § 205 Abs. 4 VVG) innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung zum Änderungszeitpunkt kündigen. Sollten Sie diese Änderungsmitteilung nicht erhalten haben, bleibt Ihnen in aller Regel sogar etwas mehr Zeit zur Kündigung. Spätestens wenn ein höherer Beitrag abgebucht wird, sollten Sie aber unverzüglich handeln, zumal eine neue PKV maximal zwei Monate rückwirkend versichert.

Ordentliche Kündigung einer bestehenden privaten Krankenversicherung

Sofern Ihre bestehende Krankenversicherung nicht zu Ihren Anforderungen oder zu Ihrer Lebenssituation passt beziehungsweise wichtige Auswahlkriterien einer guten privaten Krankenversicherung wie die Qualität, Erreichbarkeit, zu hohe Beiträge, Leistungsdefizite oder ein schlechtes Bonusprogramm nicht erfüllt werden, können Sie den Vertrag mit einer Frist von 3 Monaten zum Ende des Versicherungsjahres kündigen. 

Tipp: Informieren sie sich, wie das Versicherungsjahr bei Ihrer Versicherung aussieht!

Hier helfen wir Ihnen professionell weiter und erklären Ihnen, ob eine Kündigung oder eine Tarifumstellung für Sie sinnvoll ist. Vor der Kündigung einer bestehenden privaten Krankenversicherung sollte in jedem Fall die Möglichkeit eines Tarifwechsels innerhalb der bestehenden PKV geprüft werden, um die mit einer Kündigung verbundenen Nachteile zu vermeiden.

 

Kündigung einer Krankenversicherung für Beamte

Für Beamte übernimmt der Dienstherr über die sogenannte “Beihilfe” einen Teil der Krankenversicherung - das sind 50% oder mehr. Beamte benötigen daher nur eine Absicherung der verbleibenden Kosten, die allein die private Krankenversicherung bietet. Bei einem Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung trägt der Beamte 100% der Krankenversicherungsbeiträge. Auch hier kann ein Verbleib in der GKV sinnvoll sein, dieses ist immer eine Einzelfall-Entscheidung.

Zwei Beipiele für den Verbleib in einer GKV: Ein Ehegatte besitzt einen Verdienst über JAEG und das Paar hat mehr als drei Kinder. Ein Versicherungsnehmer hat diverse Behinderungen, wo die gesetzliche Krankenversicherung in Einzelfällen bessere Leistungen erbringt.

Eine solche Empfehlung können wir Ihnen erst nach einer genauen Prüfung Ihrer Situation aussprechen. Doch auch wenn sich ein Verbleib für Sie bei einem gesetzlichen Versicherer lohnt, so würden wir Ihnen genau das empfehlen!

Form der Kündigung

Die Kündigung Ihrer Krankenversicherung muss gem. § 16 MB/KK grds. schriftlich erfolgen. Sicherheitshalber sollte das Original Kündigungsschreiben per Einschreiben mit Rückschein versendet werden. So haben Sie einen beweiskräftigen Nachweis in der Hand. Eine Kündigung Ihrer Krankenversicherung per Telefax wird in der Praxis ebenfalls akzeptiert, da hier ebenfalls ein gegenseitiger schriftlicher Nachweis vorhanden ist.

Wie bereits erwähnt wird die Kündigung Ihrer Krankenversicherung nur wirksam, wenn der gekündigte Versicherer bis zum Kündigungstermin den Nachweis Ihrer neuen Krankenversicherung. Fordern Sie sofort mit Ihrer Kündigung eine Bestätigung Ihres Versicherers über dessen Eingang und den sogenannten “Vorversicherungsnachweis” mit Angabe Ihrer Versicherungszeiten an. Bei einem Wechsel von einer privaten Krankenversicherung zu einer anderen PKV bitte eine Bescheinigung des “Übertragungswerts” zur Vorlage bei Ihrer Folgeversicherung beilegen. Der Vorversicherungsnachweis der vorherigen Krankenversicherung mit Angabe des Beendigungszeitpunkts ist dann wiederum an die neue PKV zu senden, damit dort wegen lückenloser Vorversicherung die ansonsten bei den meisten Gesellschaften geltenden Wartezeiten entfallen!

 

Die Nachteile eines Wechsels der privaten Krankenversicherung

Die Kündigung einer bestehenden privaten Krankenversicherung kann selbstverständlich auch mit Nachteilen verbunden sein, daher sollte dieser Schritt sorgfältig überlegt werden.

  • Bei einem Wechsel gehen ggf. bestimmte Rechte verloren, so beispielsweise bei Verträgen vor 2009 der Anspruch auf den sog. “Standardtarif” und die bislang angesparten Altersrückstellungen. Nur bei Verträgen ab 2009 kann der Kunde Altersrückstellungen größtenteils als Übertragungswert in die neue private Krankenversicherung mitnehmen.

  • Bei den alten „Bisex Konditionen“ (unterschiedlich für Männer und Frauen) kalkulierten Altverträgen (vor 21.12.2012) ist nach einem Wechsel in einen Unisex-Tarif keine Rückkehr in Bisex-Alttarife mehr möglich.

  • Bei einem Neuabschluss beginnen die Fristen des § 19 VVGzur Geltendmachung von Anzeigepflichtverletzungen durch die   Gesellschaft (3 bzw. 10 Jahre) neu und ein höheres Eintrittsalter führt in aller Regel zu einer höheren Prämie. 

  • Auch Ansprüche auf Beitragsrückerstattung im Folgejahr verliert man normalerweise durch einen Wechsel. Voraussetzung für eine   Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit ist in der Regel ein ungekündigtes Versicherungsverhältnis. Bei einer Kündigung der Krankenversicherung zum 1.1. geht Ihre Beitragsrückerstattung in den meisten Fällen verloren.

Letztlich ist jedoch die langfristige Auswahl der richtigen Gesellschaft und des optimalen Tarifs deutlich relevanter als ein kleiner Betrag als Beitragsrückerstattung. Auch werden in den Tarifen zu Ausbildungskonditionen keine Altersrückstellungen gebildet. Wir als professioneller Partner können durch gezielte Beratung meist eine Beitragsrückerstattung des Vorversicherers retten.

Fazit Kündigung Krankenversicherung

 

Lassen Sie sich möglichst von Anfang an von uns als Krankenversicherungs-Profi beraten. Einmal gemachte Fehler bei der Kündigung Ihrer Krankenversicherung sind nachträglich deutlich schwerer zu korrigieren. Sprechen Sie uns gerne jederzeit an und wir schauen zusammen, welches für Sie die beste Option ist!

 

Diese Seite stellt die Bedingungen für eine Kündigung Ihrer Krankenversicherung wie eingangs erwähnt nur vereinfacht dar. Aufgrund der komplexen rechtlichen Regelungen ist jeder Einzelfall genau zu prüfen und kann ggf. zu abweichenden Ergebnissen führen! Versuchen Sie das Thema also bitte nicht im "do-it-yourself" Verfahren selbst zu lösen, sondern lassen Sie sich professionell beraten!